Aus: Rhein-Zeitung Cochem Zell, Ausgabe Nr. 26

Hubertus Vallendar zaubert edle Brände!

Die Brennerei des Kailer Unternehmers wird heute in einem Zug mit den großen, alteingesessenen Edelbrennereien Deutschlands genannt.

Um edle Brände herstellen zu können, mußte Hubertus Vallendar erst lernen, Nein zu sagen. Inzwischen versteht der Unternehmer aus Kail, wie er es nennt, die Kunst des Destillierens. Seine Brennerei verlassen nur Produkte, die höchsten Qualitätsansprüchen genügen.Über den Bildschirm zieht eine Vielzahl von Linien. Blau, schwarz, grün, rot, gestrichelt, gepunktet, fast wie bei einem Schnittmusterbogen. Eine Linie zeigt an, wann das Heizelement anspringt. Eine andere, wie sich die Temperatur in der Maische seit dem Starten des Brennvorgangs entwickelt hat. Wieder eine andere, verläßlich auf der immer gleichen Höhe, ist aussagekräftig für den Geschmack des Brandes. Zu verstehen ist das alles nicht, nicht auf den ersten, den zweiten oder auch den dritten Blick.
Unklar ist auch, wer mehr zu bewundern ist: der Anlagenbauer, der diesem Bildschirm beigebracht hat, was er anzeigen und, viel wichtiger, regeln soll, oder der Mensch, der dem Anlagenbauer hat beibringen können, was eine Maschine leisten muß, mit der sich gute Brände herstellen lassen. Hubertus Vallendar deutet auf die Ausschlage, dreht an Reglern, drückt auf Tasten. Nein, er ist nicht der Zauberlehrling, dem die Besen auf der Nase herumtanzen. Er ist der Zauberer hinter all dem, was dort geschieht. Und er würde die Fäden auch dann noch in der Hand halten, wenn keine Computersteuerung der Maische Feuer unterm Topf machte.

Geboren wurde Hubertus Vallendar am 8. Juni 1963, aufgewachsen ist er in Pommern. Nach der Mittleren Reife lernte er mit Begeisterung und Erfolg Schreiner im Kloster Ebernach, er wurde der rheinland-pfälzische Landessieger seines Abschlußjahrgangs. Eigentlich hätte er Innenarchitektur studieren wollen, doch bis zum Abschluß der Fachhochschulreife hatte er begriffen, dass Theorie und Schreibtisch ihm weniger liegen als Praxis und Bewegung. Nach einem Berufsabschluß als Kaufmann begann der mit dem Verkauf von Brennereibedarf. Bald schon hatte er die Idee zu einer Brennapparatur, die er zusammen mit einer Maschinenbaufirma entwickelte und in deren Auftrag vertrieb. Seine Nachbarn haben ihn so in Erinnerung behalten: als den forschen Jungdynamiker, der mit seinem Auto durchs Dorf brauste und als einer der ersten ein Handy besaß.

Nicht mitbekommen haben sie die Veränderungen, die sich unter der glänzenden Oberfläche vollzogen und am Ende Hubertus Vallendar zu seinen Wurzeln zurückkehren ließen. Da waren in Pommern die Brennerei des Vaters und sein Umgang mit dem Material, seine Wertschätzung für Gerüche, Geschmäcker und all das, was in der Addition zu einem guten Brand werden kann. Dem gegenüber standen Tausende gefahrener Kilometer, die Vallendar durch den ganzen deutschsprachigen Raum führten.

Nur sortenreines Obst

Eines Tages war es jedenfalls Zeit, anzuhalten und den Zündschlüssel abzuziehen. Hubertus Vallendar gründete seine eigene Brennerei in Kail. Zunächst dachte er noch, er müßte freundlich sein, es allen Recht machen, auch mal 200 Kilo Zwetschgen brennen, wenn er von deren Qualität nicht überzeugt war. Aber damit trat er auf der Stelle. "Es gibt keinen Grund, Fehler immer und immer wieder aufs Neue zu begehen", sagte er sich und lernte, Nein zu sagen. Und darüber hinaus seine Vorstellungen von Qualität zu formulieren. Das Obst, das er verarbeitet, muß sortenrein und gereinigt sein. "Ich brenne nicht das Gras von den Streuobstwiesen." Für die Qualität, die er von den Lieferanten fordert, zahlt er einen guten Preis. Für die Qualität, die er liefert, bekommt er einen guten Preis. Auf diesem eigentlich simplen Zusammenhang fußt eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Seit 16,17 Jahren sind Brände und Liköre von Hubertus Vallendar auf dem Markt und seine Brennerei wird heute in einem Zug mit den großen, alteingesessenen Edelbrennereien Deutschlands genannt. "Die Kunst des Destillierens" ist es, die Hubertus Vallendar verwirklicht und auch in Zukunft verwirklichen möchte, es ist eine Kunst, die Geist braucht – und Geist produziert.

Neben der Verschlußbrennerei in Kail und der Abfindungsbrennerei in Pommern gibt es noch ein Projekt in Ruanda, in das Hubertus Vallendar viel Zeit investiert. Dort soll, in Zusammenarbeit mit einheimischen Investoren und Mitarbeitern, ein Projekt zur Verarbeitung der schmackhaften Ruanda-Banane entstehen. Wichtig ist Hubertus Vallendar nicht nur die Qualität der dort entstehenden Produkte, sondern auch die Umweltverträglichkeit der Anlage und die soziale Verantwortung für die dort große Rolle - wenn er etwas anfängt, dann eben richtig. Unterstütz wird er in Kail, Ruanda und im Alltag von seiner Frau Aurèlie Vallendar-Schweinfest, die sich im Betrieb um kaufmännische Aufgaben kümmert.

Ein Schwall Flüssigkeit

In Zukunft, sagt Hubertus Vallendar, sieht er sein Unternehmen als eine feine Manufaktur, in der eine fehlerfreie Qualität auf höchstem Niveau die oberste Priorität hat und die, wenn es besonders gut läuft, mit dieser Qualität einen singulären Platz einnehmen kann. Was er erreichen will, ist sinnlich wahrnehmbar: Ein Stück entfernt von Bildschirm, Steuerung, Edeltanks, Temperatur- und Druckanzeigen läuft immer mal wieder plätschernd ein Schwall Flüssigkeit, es ist der soeben fertiggestellte Edelbrand, in die bereitstehenden Edelstahleimer. In der Luft hängt der Geruch nach roten Weinbergpfirsichen, es ist ein kräftiger, zart-süßer, ein wenig pfeffriger Geruch – konserviert in einem Brand von einem, der weiß, wie der Sommer an der Mosel riecht und schmeckt.

Ulrike Krickau