Aus: Rhein-Zeitung Cochem Zell, Ausgabe Nr. 240

Edelbrenner Hubertus Vallendar hatte zum Tag der offenen Tür nach Kail geladen.

Sicherlich sind auch nur Vallendars Edelbrände eine Reise nach Kail wert, aber der Destillator gibt sich damit allein beim Tag der offenen Tür nicht zufrieden. Ein Genießer-Sonntag sollte es gestern werden. Und das wurde er auch. Neben Hochprozentigem gab es Zigarren, Schokoladen, Weine, Champagner, Rohmilchkäse und andere noble Köstlichkeiten zu kosten. Hingucker waren vor allem die vielen Oldtimer.

KAIL. Edelbrenner erfreuen sich offensichtlich einer großen Beliebtheit. Da lädt einer der Großen dieser Zunft, Hubertus Vallendar, in sein Reich ein, und rasch hat Kail einen ordentlichen Batzen mehr Besucher als überhaupt Einwohner. Zum "Tag der offenen Tür" hatten er und seine Frau Aurélie gebeten. Natürlich gab es die Vallendar-Klassiker für den Gaumen. Aprikosen-, Zwetschgen- und Roter Weinbergpfirsichbrand durften verkostet werden. Auch Exoten wie Bananenbrand (mit Früchten aus Ruanda), Bier- oder Spargelbrand standen bereit. Gut für den, der gleich mit Chauffeur ins kleine Eifeldörfchen kam. Und davon waren sowohl als auch genügend da. Denn absolute Hingucker waren die rund 60 Oldtimer vor den Toren der Brennerei. "Wir wollen den Genuss der Brände mit den Oldtimern verbinden", sagt Hubertus Vallendar. Und da er und auch andere Genießer große Autofans sind - da ist sich Vallendar sicher - passt das perfekt zusammen. Star des Nachmittags, so fern man ihn so nennen kann, war ein Maybach aus dem Jahre 1938. Stolzer Besitzer des betagten Wagens ist Gert Voigt. Er und vor allem sein Gefährt zogen mit Abstand die meisten Blicke auf sich. Für kollektives Stirnrunzeln sorgte auch das Nummernschild des fast 70 Jahre alten Luxusschlittens. CAS war darauf zu lesen. "Wenn mich Leute fragen, sag ich, dass es Casablanca heißt", scherzt Voigt, nachdem er an Vallendars Wildkirschbrand genippt hatte. Wahrhaftig steht das Kürzel aber für Castrop-Rauxel. Quasi das Pedant zum Altkreis-Zell-Nummernschild ZEL. Bemerkenswert: Mit maximal 90 Stundenkilometern bugsierte Voigt seinen Schatz höchst persönlich über die Autobahn zu Vallendar. Aber auch andere Luxusschlitten gaben sich die Ehre. Motoren von alten Swollos, Triumphs, Bentleys oder auch Austins heulten in der Eifel auf. Neben Autos und Bränden war aber noch lange nicht alles geboten. Unter dem Motto "Mosel begrüßt Frankreich" stand der Tag. Rieslinge aus dem Elsass, Champagner aus Vertus, Käse von Maître Fromager Bernard Antony und Bordeaux aus Pauillac sorgten für Gaumenreize bei den vielen Besuchern. Eine besondere Rolle spielten da auch die Zigarren. Der Koblenzer Jürgen Wilde bot in einem Eckchen solche an. "Ein Edelbrand, ein Stückchen Schokolade und dazu eine erstklassige Zigarre – das passt", sagt Jürgen Wilde. Das empfand auch so mancher Genießer. Das große Paffen war nämlich angesagt bei Hubertus Vallendars Genussstelldichein. Sao Thomé, Vitis Nois, Saint Domingue Annanas und, ganz banal, Haselnussgeist-Schokolade spielten in Kail auch eine besondere Rolle. Eberhard Schell macht diese Schokoladen und ließ sie in Kombination mit dem richtigen Edelbrand probieren. Aber auch feinste Küche wurde geboten. Das "Creatives Catering" von Jupp Wagner aus Mayen sorgte Stilgerecht für Gehobenes auf dem Teller.