Rhein-Zeitung Cochem Zell, Ausgabe Nr. 81

Der Verein um Hubertus Vallendar und Reinhard Löwenstein zieht nach zehn Jahren Bilanz.

Die ersten rosa Farbtupfer durchbrechen derzeit das Grau der Monokultur der Mosellandschaft: Der Rote Weinbergspfirsich belohnt das Auge mit seiner verschwenderischen Blütenpracht. Auch dank des Einsatzes des 1997 gegründeten gleichnamigen Vereins, der bei seiner Mitgliederversammlung in Pommern optimistisch in die Zukunft blickte. POMMERN. Bei der Mitgliederversammlung des Roten Weinbergspfirsich e.V. in Pommern stellte der Verein die neue Produktlinie vor, unter der in Zukunft gemeinschaftlich vermarktet wird. Zuvor hatten die Mitglieder den Vorstand einstimmig entlastet und anschließend wiedergewählt; als Vorsitzenden Edelbrenner Hubertus Vallendar, als seinen Stellvertreter Reinhard Löwenstein aus Winningen und als Schriftführer Peter Oster aus Ediger-Eller.

Bepflanzung im großen Stil

Rückblickend sahen die Unternehmer bereits 1997 in dem unscheinbaren Bäumchen zukunftsweisende Chancen, durch eine großflächige Bepflanzung der Weinbergslagen den Roten Weinbergspfirsich im großen Stil zu vermarkten. Dank eines dadurch hervorgerufenen Pilotprojektes mit Unterstützung und Förderung des Umweltministeriums, aber auch durch private Initiatoren, wurden über die Jahre mehr als 10 000 Bäume angepflanzt. Wer zu dieser Jahreszeit an der Mosel entlang fährt, sieht die blühenden Bäume an den Moselhängen und in den Vorgärten. Die Anfänge freilich waren nicht leicht. Vallendar: " Zu Beginn des Projektes dachten wir, in einem Düsenjet durch gestartet zu sein und fanden schließlich in einem manövrierunfähigen Fesselballon wieder, der zum Spielball starker politischer Fall- und Seitenwinde geworden war. " Doch das scheint überstanden; Der Rote Weinbergpfirsich e.V. zählt heute über 50 Mitglieder, überwiegend Produzenten, die auch an der Vermarktung interessiert sind. Journalisten, Rechtsanwälte und Unternehmer sind dem Verein in den letzten Jahren beigetreten, um eine gemeinsame starke Marke für die Mosel mit dem Roten Weinbergpfirsich zu schaffen. Inzwischen können die Veredler der kleinen roten Frucht auf 123 Ablieferer zählen, die zuletzt einen Euro pro Kilo erhielten. 15 000 Kilo von einem Ablieferer war die größte Marge, das geht hinunter bis zu Leuten, die nur 20 oder 30 Kilo liefern. Insgesamt aber zu wenig, wie die Vorstandsmitglieder unterstrichen. Ihre Produkte, vom Brand bis zum Likör, von der Schokolade bis zur Marmelade, vom Essig bis zum Senf – letztere in Zusammenarbeit mit der Genussmanufaktur Wajos aus St. Aldegund produziert – finden reißenden Absatz. Auch Saft und Nektar

Erweitert wurde die Produktpalette ganz neu in Zusammenarbeit mit der Fruchtsaftkellerei Dany in Niederfell und Weinbergspfirsichsaft und –nektar, die schon das Etikett eines namenhaften deutschen Anbieters ziert. Alle Produkte standen im Übrigen in Pommern zur Verkostung bereit und sorgten für viele unerwartet wie etwa bei der Schokolade oder beim Senf für faszinierende Geschmackserlebnisse, von denen sich auch Landrat Manfred Schnur beeindruckt zeigte. Erklärtes Ziel ist die Einführung einer Qualitätskontrolle mit einem Qualitätssiegel. Hier haben bereits Gespräche mit dem zuständigen Minister Hendrik Hering stattgefunden. Der Verien sieht sich in der Rolle des Koordinators zwischen Anbauern der Frucht und den Vermarktern sowie als Verbindungsglied zur politischen Ebene. Eine zielorientiertes Marketing über Tourismus, Gastronomie und Lebensmitteleinzelhandel steht ferner auf der Agenda für die Zukunft. Auch um ein Sponsoring aus der Wirtschaft will man sich bemühen. Erinnert wurde in diesem Zusammenhang an die Aktivitäten des Unternehmers Fielmann rund um die Marillenproduktion in der österreichischen Wachau. Vallendar bedauerte freilich, dass eine Kooperation mit dem anderen im Kreis ansässigen Verein Weinbergspfirsich bisher nicht gelungen ist. " Wir kommen einfach nicht zusammen", so der Edelbrenner. Wie auch immer, weitere Ablieferer sind dringend nötig. Säfte und Destillate der letztjährigen Ernte sind praktisch ausverkauft. Löwenstein: " Es sollte in jedem Weinberg, auch im Interesse der Optik unserer Kulturlandschaft, mindestens ein Pfirsichbäumchen blühen. Auf drei oder vier Rebstöcke mehr oder weniger kommt es doch nicht an." Nur beste Früchte

Die Unternehmer setzen aber nicht nur auf Quantität, sondern vielmehr auf Qualität. " Die Qualität fängt schon bei der Ernte an. Wir nehmen ausschließlich reife und gesunde Früchte entgegen" erklärte Hubertus Vallendar, der für die ersten Schritte der Verarbeitung in der Brennerei zuständig ist. Die neue Produktlinie wird ab dem Spätsommer in einer zentralen Logistik- und Vertriebsstelle erhältlich sein. Durch die Produktion von der Frucht bis zum Brand, Essig, Saft oder Marmelade wird eine einzigartige Transparenz in der Produktion für die Verbraucher gewährleistet. Auch wenn sich die Initiatoren des Vereins, so Reinhard Löwenstein, vor Jahren eine höhere Geschwindigkeit gewünscht hätten, sei das jetzt erzielte Ergebnis eine gute Basis für eine zielgerechte Vermarktung. "Geduld zahlt sich demnach aus, denn das unscheinbare Früchtchen ist zu einer angesehenen und gefragten Frucht mit enormen Marktchancen geworden", unterstrich Reinhard Löwenstein abschließend: " Wenn wir das weiter richtig angehen, sind wir zum Erfolg verdonnert."

Franz Erpeldinger